Streckenfliegen

Als „Fußgänger“ (so nennen wir Segelflieger nicht-Segelflieger) kann man es sich kaum vorstellen, aber es stimmt: Mit einem Segelflugzeug kann man, das richtige Wetter und fliegerisches Können vorausgesetzt, hunderte von Kilometern weit fliegen. Streckenfliegen heißt das und ist die hohe Kunst des Segelfliegens.

Wir nutzen zum Streckenfliegen im Prinzip die gleichen Aufwinde, in denen wir auch bei der Fliegerei am Platz kreisen, um länger oben zu bleiben. Nur, dass wir beim Überlandfliegen, wie es auch heißt, diese Aufwinde wie Perlen an einer Schnur aufreihen zu einer Strecke. Wir kreisen und gewinnen dabei so viel Höhe wie möglich und fliegen dann weiter auf unserem gewählten Kurs. Bis wir den nächsten Aufwind erreichen. Dann kurbeln wir uns wieder in die Höhe – und so weiter.

Streckenfliegerei eröffnet Dir, falls Du Dich dafür entscheidest, nach der Ausbildung nochmal eine ganz neue, intensive Art, in die Segelfliegerei einzutauchen. Du wirst noch mehr mit dem Flugzeug verschmelzen. Und auch den Himmel auf eine ganz neue Art kennenlernen: Beim Streckenfliegen ist es entscheidend, die Wolken, das Wetter zu lesen – und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und die richtigen fliegerischen Entscheidungen zu treffen. Denn das Wetter ist eben trotz moderner Analyse-, und Vorhersageinstrumente, nicht ganz berechenbar. Es kann also sein, dass Du im Flug Deinen Plan ändern musst.

Diese taktische Komponente macht, neben der Tatsache, dass Du beim Streckenfliegen wirklich weite Strecken reist und zwar ohne einen Tropfen Benzin zu verbrennen, den großen Reiz aus.

In thermisch aktiveren Gebieten Deutschlands südlich der Elbe sind Flüge von 1000 Kilometern mit den heutigen Flugzeugen und Bordinstrumenten an guten Tagen keine Seltenheit. Norddeutschland ist durch die Lage zwischen Nord-, und Ostsee zwar kein Thermikparadies – trotzdem sind auch von unserem Platz aus Flüge bis zu 600 Kilometer möglich. Wir haben beim LSV Kreis Pinneberg etliche engagierte Streckenflieger, die, falls Du Dich dafür interessierst, auch gerne jede Frage beantworten.

Beispiel eines Streckenflugs

Am 1. Mai 2013 flog Paul Foelkel während eines Fliegerurlaubs ein 310 km Dreieck mit Start auf dem Schenkel. Er flog mit einem der LSV-Vereinssegelflugzeuge - einem Discus 2C (18m Spannweite) mit einer besten Gleitzahl von ca. 45. D.h. aus 1000 m Höhe kann das Flugzeug theoretisch 45 km gleiten! Startpunkt war das Segelfluggelände Berliner Heide in der Nähe von Celle. Der Flug dauerte 4 Stunden und 36 Minuten. Dieser Flug erfüllte die Bedingungen für Pauls Zielstrecken-Diamanten FAI-Abzeichen.

Die Flugroute

Die folgende Darstellung zeigt die Flugroute, die vor dem Start in den Logger des Flugzeugs programmiert wurde. Die rote Linie zeigt die optimale Strecke, die blaue Linie ist die tatsächliche Flugroute (z.B. beeinflusst durch die Thermik). Nach dem Start in Berliner Heide ging es westwärts zum ersten Wendepunkt (WP), dann nordostwärts zum zweiten Wendepunkt (in der Nähe von Lüneburg) und südostwärts zum dritten Wendepunkt in der Nähe von Salzgitter. Dann "nur nach Hause" - dies wurde offensichtlich etwas schwierig und der Pilot musste ins Dreieck hineinfliegen, um überhaupt in der Luft zu bleiben, bis er genügend Höhe gewonnen hatte, um im Endanflug auf den Flugplatz Berliner Heide zu fliegen.

Das Barogramm

Die Aufzeichnung der Flughöhe ist der sportliche Beweis, dass keine Zwischenlandung erfolgt ist.

Die Flugroute

Das Barogramm

Streckenflug LSV Kreis Pinneberg 2017

Alle Flüge von Piloten des LSV Pinneberg findest Du auf der Seite des Online Contest (OLC), zusammen mit allen relevanten Daten zu den Flügen wie zurückgelegte Entfernung, Dauer des Fluges, das Höhenprofil. Um zur Übersicht zu gelangen, klicke bitte hier.